Mobiles Internet im Umweltschutz
Es gilt als „das größte meeresbiologische Projekt der Welt“: seit gut zehn Jahren arbeiten Biologen auf der ganzen Welt an einer Katalogisierung sämtlicher existierender Meereslebewesen. Dieser Zensus, sozusagen eine Volkszählung der Meere, funktioniert nur dank der vielen tausend Meeresbiologen, die unermüdlich Daten in ihren Gebieten sammeln und dank moderner Technologien wie GPS-Ortungssystemen und der Datenübertragung über mobiles Internet.
What is in the sea?
Einer der Leiter des weltweiten Katalogisierungsprojektes ist der irische Wissenschaftler Prof. Mark Costello, der das Leigh Marine Laboratory an der Universität von Auckland in Neuseeland betreut. Zusammen mit 2.700 anderen Meeresbiologen aus 80 Ländern der Welt versucht Costello die einfache Frage zu beantworten: „What is in the sea“ – was befindet sich im Meer?

GPS und Internet sind unabdingbare Begleiter der Meeresbiologen
Während Küstenregionen noch relativ einfach zu erfassen sind, wird die Arbeit der Biologen zunehmend schwieriger, je weiter sie auf das Meer vordringen. Die Lebewesen sind auf einer größeren Fläche verstreut oder in kaum erreichbaren Tiefen, die Wissenschaftler können ausschließlich an Bord von Schiffen arbeiten. Ohne die satellitengestützte Standortbestimmung von Schiffen und entdeckten Meeresbewohnern könnten die Wissenschaftler keine verlässlichen Daten erfassen. GPS, Notebook und Surfstick sind für die Meeresbiologen heute selbstverständlicher Bestandteil ihrer Forschungsausrüstung. Per Funk werden spezifische Daten wie Größe, Anzahl, Vorkommen, etc. sowie Fotos online gespeichert und weitergegeben. Die Wissenschaftler können so Forschungsergebnisse weltweit austauschen und große Gesamtdatenbanken erstellen.
100 bis 150 neue Fischarten pro Jahr
Mehr als 230.000 verschiedene Meereslebewesen haben die Wissenschaftler um Prof. Costello in den letzten zehn Jahren erfasst. Dabei handelt es sich aber wohl nur um ein Fünftel der tatsächlich in den Weltmeeren lebenden Tiere. Nach eigenen Angaben entdecken die Zensus-Forscher im Durchschnitt 100 bis 150 „neue“ Fische pro Jahr, inzwischen gibt es 16.764 bekannte Fischarten auf der Welt. Lediglich zwei Prozent der Meereslebewesen sind Wirbeltiere wie Wale, Seelöwen, Robben oder Schildkröten. Etwa ein Fünftel der marinen Lebewesen sind Schalentiere wie Krebse oder Muscheln.
Moderne Kommunikationstechniken erleichtern die Arbeit
Die Zeit drängt, da sind sich die Wissenschaftler weltweit einig: „Die marinen Lebenswelten haben in den letzten Jahrzehnten stark gelitten, in einigen Fällen sind bis zu 90 Prozent der Tiere ausgestorben“, mahnt Prof. Mark Costello. Schuld daran ist der Mensch, durch Überfischung, Zerstörung von Lebensraum und der Einführung von fremden Arten fügt er den Weltmeeren großen Schaden zu. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen der globalen Erwärmung. Biologen weltweit sind sich ihrer Verantwortung für den Tier- und Umweltschutz bewusst. Sie müssen die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten erklären und öffentlich machen. Dank moderner Kommunikationstechniken wie Internet und Datenfunk und neuer Datengeräte wie Router und Surfsticks sind die Wissenschaftler heute in der Lage, sich schnell und global mit anderen Forschern zu vernetzen und eine größere Öffentlichkeit für ihre Anliegen herzustellen.